Mina Deutsch

Minas Geschichte

Die Erinnerungen einer Ärztin an den Holocaust

Übersetzung: Barbara Jentsch
Sprache: Deutsch
180 Seiten, Hardcover
42 Abbildungen
ISBN: 978-3-95565-009-4
Erschienen: 2013
17,90 €

Jüdische Memoiren Bd. 20

Mit einem Vorwort von Michael Brenner

Mina Kimmel wuchs in der Zeit um den Ersten Weltkrieg in einer kleinen Stadt im ostpolnischen Galizien auf. Da ihre Heimatstadt keine Sekundarschule hatte, verließ sie im Alter von dreizehn Jahren ihr Zuhause, um ihre Ausbildung fortzusetzen. Schließlich realisierte sie ihren Traum, Medizin in Prag zu studieren. Dort begegnete sie ihrem späteren Mann Leon Deutsch, wie sie Medizinstudent, und verbrachte einige der glücklichsten Jahre ihres Lebens:
„Das Leben in der goldenen Stadt Prag war herrlich in den frühen dreißiger Jahren. Die Menschen waren frei, und die Straßen nachts ebenso belebt wie am Tag. Ich liebte die Universität, mein gesellschaftliches Leben, die Ausflüge in alle Stadtviertel, die Theater, Opern, Konzerte, Restaurants und Studentenclubs und das Flanieren auf der Hauptstraße Vaclawskie Namesti. Schon nach ein paar Tagen lernte ich beim Pingpongspielen im Studentenclub Studentsky Domov meinen späteren Mann Leon Deutsch kennen.“
Als das Naziregime an die Macht kam, lebten Mina und ihr Mann Tag für Tag im Schatten des Holocaust. Das junge Paar kehrte nach Polen zurück und flüchtete mit ihrer kurz zuvor geborenen Tochter immer weiter ostwärts. Sie wurden beauftragt, in siebzehn Dörfern unter deutscher Besatzung eine Typhusepidemie zu bekämpfen. Später waren sie gezwungen, sich in einem unterirdischen Bunker unter einem Hühnerstall zu verstecken, bis sie von den Russen befreit wurden:
„Wir sechs drängten uns eng aneinander. Wir deckten uns mit unseren Mänteln zu… Um während des Tages Licht zu haben, verbrannten wir Öl in einer ausgehölten Kartoffel mit einem Docht… Eines Nachts waren wir vollkommen mit Erde bedeckt… Ich weinte, als mir klar wurde, dass jeden Augenblick eine weitere Ladung Erde auf uns fallen könnte. Wir würden lebendig begraben werden. Ich fragte mich, warum so etwas noch passieren musste, nachdem wir so viel erlitten hatten und nun endlich hoffen konnten, dass der Krieg – und unser Elend – bald vorbei sein würde. Die vier Jahre alte Eva sagte dann: ,Mama, es ist besser so. Wir würden nicht bluten und wären tot.‘.“
Minas Geschichte endet in Kanada, wo Leon und sie erneut kämpfen mussten, um sich zu etablieren.