Während des Ersten Weltkrieges erhielt der Direktor des Reichenheimschen Waisenhauses, einer Einrichtung der Berliner Jüdischen Gemeinde, 754 Feldpostsendungen. Die meisten stammen von ehemaligen Zöglingen, die als Soldaten in der deutschen und in der österreichisch-ungarischen Armee dienten. Diese Schreiben bezeugen den selbstverständlichen Patriotismus ihrer Verfasser, zugleich aber auch die wachsende Kritik am Krieg. In ihrem Einsatz haben sich die jüdischen Soldaten durch nichts von ihren nichtjüdischen Kameraden unterschieden. So sind von annähernd 100.000 deutschen jüdischen Kriegsteilnehmern bis 1918 etwa 12.000 gefallen. Völkische Kreise wollten diesen Einsatz nicht wahrhaben, was schließlich 1916 zu der berüchtigten "Judenzählung" führte. Indem die vorliegende Sammlung den Dienst jüdischer Soldaten dokumentiert, setzt sie die gegen antisemitische Anfeindungen gerichtete Aufklärungsarbeit jüdischer Verbände fort.
2 Bände. Gemeinsam herausgegeben von der Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum und dem Militärgeschichtlichen Forschungsamt Potsdam
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