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Ein Pariavolk

Zur Anthropologie des Antisemitismus

Historisch bildeten die Juden eine verachtete Kaste in der christlichen Gesellschaft, wodurch sie, ohne es zu bemerken, eine unverzichtbare Rolle spielten – vergleichbar mit jener der Unberührbaren in Indien. Die Grundlagen für diese Rolle liegen in der Erzählung des Neuen Testaments, die der Judaist Hyam Maccoby im Licht antiker Opfervorstellungen analysiert. Die Juden wurden die perfekten Ausführenden der bösen – aber unerlässlichen – Gottesopferung. Ihnen wurde anstelle der christlichen Gesellschaft die Schuld aufgeladen, sodass Christen von notwendigen, aber tabuisierten Tätigkeiten befreit waren. Das Stigma blieb an den Juden haften und wurde fortlaufend durch Mythos und Kunst bekräftigt. Obwohl die Juden nach der Aufklärung offiziell vom Pariastatus befreit waren, blieb das Stigma – wie bei den hinduistischen Unberührbaren und bei Pariagruppen in vielen anderen Kulturen. Mittels der anthropologischen Analyse liefert Hyam Maccoby eine überzeugende Erklärung für das Versagen scheinbar vielversprechender Strategien, den Status der Juden zu normalisieren. Sein wichtiges Buch liegt hiermit erstmals in deutscher Übersetzung vor.
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Title
Ein Pariavolk
Zur Anthropologie des Antisemitismus
Verlag
Hentrich und Hentrich Verlag Berlin
ISBN
978-3-95565-307-1 9783955653071
Appearance
2019
Binding
Hardcover
Pages
224
Format
16 × 23.3 cm (W × H)
Language
German
Original language
English
Translation
Wolfdietrich Müller

Press comments

Peter Gorenflos: Zur Konvertiten-Debatte: eine historische Rückblende, Jüdische Rundschau, Oktober 2022

Erweiterte Rezension in Tabularasa - Zeitung für Gesellschaft und Kultur, 15. Mai 2019

Der Holocaust als Folge christlicher Stigmatisierung. Rezension in: wina. Das jüdische Stadtmagazin, Juli/August 2019

Die Enstehung des christlichen Antisemitismus. Interview mit dem Herausgeber Dr. Peter Gorenflos in der Jüdischen Rundschau, September 2019 

Ein aufklärerisches Werk im besten Sinne: Es zeigt, wie wichtig archaische Motive und die vormoderne religiöse Dämonisierung der Juden auch für das Verständnis des modernen Judenhasses sind. Es zeigt jedoch nicht, dass dies als Wiederkehr des Archaischen in der Moderne durch die Moderne zu fassen wäre. Zugleich liefert Maccoby einen wichtigen Beitrag zur Kritik der postmodernen Auflösung des Begriffs der dämonisierenden systematischen Judenfeindschaft in ein ‚koloniales Othering‘. haGalil, 5. Januar 2021 

Der britische Judaist Hyam Maccoby nimmt sich mit »Ein Pariavolk« des Antisemitismus mit den Methoden der vergleichenden Anthropologie an. […] Maccoby gelingt ein anschaulicher Überblick über die Aneignung und Umdeutung von Geschichte und Geschichten durch die spätantiken Denkschulen, trotz manches polemischen Schlenkers. Erhellend zu lesen ist, wann und zu welchem Zweck ein Pariastatus konstruiert wurde, und in welchen Weltgegenden der religiös determinierte Antisemitismus keine Wurzeln schlagen konnte Neues Deutschland, 3. Juli 2021 

»Hyam Maccoby analysiert ausführlich die Genese dieses christlichen Antisemitismus. […] Gäbe es keine Juden, müssten Christen und Muslime sie erfinden, gäbe es keinen Staat Israel, müssten palästinensische Gruppen ihn erfinden, und so ähnlich war es ja auch in den Jahren vor der Staatsgründung Israels. Mit der Stigmatisierung alles Jüdischen – so die Schlussfolgerung Hyam Maccobys – bestätigen die Stigmatisierenden die Richtigkeit des eigenen Glaubens. […] Die Deutschen spielten eine Hauptrolle, auch wenn sie den Antisemitismus nicht erfunden hatten. Sie waren aber die folgsamsten und konsequentesten Schüler*innen des christlichen Antisemitismus.« Demokratischer Salon, 4. September 2021 

Besprochen in Jüdische Rundschau, März 2022

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